Valentinstagsgedichte 2016 – Auch zum Valentinstag 2016 gibt es wieder tolle Gedichte zum Vorlesen, Vortragen oder Schreiben in ihre Liebespost. Wir präsentieren Ihnen hier eine kleine Auswahl.

Der Valentinstag am 14.Februar 2016  ist der Tag, an dem Paare auf der ganzen Welt sich an ihre Liebe zueinander erinnern. Ob gerade frisch verguckt oder schon lange miteinander vertraut: Die Liebe allein ist es für alle liebenden Menschen wert, mit einem besonderen Gedenktag verehrt zu werden. Ursprünglich als kirchlicher Feiertag entstanden, hat sich dieser schöne Brauch bis in die heutige Zeit gehalten. Der heilige Valentin war ein Bischhof, der von der Zuneigung von zueinander zugetanen Paaren so berührt war, dass er sie trotz eines Verbots miteinander verheiratete und später zum Tode verurteilt wurde. Der Valentinstag ist somit das Vermächtnis des mutigen heiligen Valentins, das immer wieder aufs Neue am 14. Februar jährt. Mehr infos gibts auf www.Valentinstag2015.com


Tolle Gedichte zum Valentinstag 2016

Valentinstag Gedicht : Ich möchte dir ein Liebes schenken

Ich möchte dir ein Liebes schenken

Ich möchte dir ein Liebes schenken,
das dich mir zur Vertrauten macht:
aus meinem Tag ein Deingedenken
und einen Traum aus meiner Nacht.

Mir ist, dass wir uns selig fänden
und dass du dann wie ein Geschmeid
mir löstest aus den müden Händen
die niebegehrte Zärtlichkeit.

Rainer Maria Rilke 1875 – 1926

Gedichte zum Valentinstag : Dein Bildnis wunderselig

Dein Bildnis wunderselig

Dein Bildnis wunderselig
Hab ich im Herzensgrund,
Das sieht so frisch und fröhlich
Mich an zu jeder Stund.

Mein Herz still in sich singet
Ein altes schönes Lied,
Das in die Luft sich schwinget
Und zu dir eilig zieht.

Joseph von Eichendorff 1788 – 1857

Valentinstag Gedicht : Zu viel

Zu viel

Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.

Am Dorfeshang, dort bei der luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen ?
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Dass all der Wonnestreit in dir sich schlichte!

Du, Liebe, hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, oh Frühling, hilf die Liebe beugen!

Lisch aus, o Tag! Lass mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

Eduard Mörike 1804 – 1875

Valentinstag Gedicht : Die schönste aller Locken

Die schönste aller Locken

In stiller, wehmutweicher Abendstunde
Umklingen mich die längst verschollnen Lieder,
Und Tränen fließen von der Wange nieder,
Und Blut entquillt der alten Herzenswunde.

Und wie in eines Zauberspiegels Grunde
Seh ich das Bildnis meiner Liebsten wieder;
Sie sitzt am Arbeitstisch, im roten Mieder,
Und Stille herrscht in ihrer sel’gen Runde.

Doch plötzlich springt sie auf vom Stuhl und schneidet
Von ihrem Haupt die schönste aller Locken,
Und gibt sie mir – vor Freud‘ bin ich erschrocken!

Mephisto hat die Freude mir verleidet.
Er spann ein festes Seil von jenen Haaren,
Und schleift mich dran herum seit vielen Jahren.

Heinrich Heine 1797 – 1856

Valentinstaggedicht : Hörst du wie die Brunnen rauschen

Hörst du wie die Brunnen rauschen

Hörst du wie die Brunnen rauschen,
Hörst du wie die Grille zirpt?
Stille, stille, lass uns lauschen,
Selig, wer in Träumen stirbt.
Selig, wen die Wolken wiegen,
Wem der Mond ein Schlaflied singt,
O wie selig kann der fliegen,
Dem der Traum den Flügel schwingt,
Dass an blauer Himmelsdecke
Sterne er wie Blumen pflückt:
Schlafe, träume, flieg‘, ich wecke
Bald Dich auf und bin beglückt.

Clemens Brentano 1778 – 1842

Valentinstag Gedicht : Ein Rudel kleiner Wolken

Ein Rudel kleiner Wolken

Ein Rudel kleiner Wolken
Schwimmt durch die Abendhelle,
Wie graue Fische im Meere
Durch eine blendende Welle.

Und Mückenscharen spielen
Im späten Winde rege
Sie tanzen zierliche Tänze
Im warmen staubigen Wege.

Und zwischen Wolken und Erde,
über die Bäume, die schlanken,
Ziehn auf der Straße zum Monde
Die uralten Liebesgedanken.

Max Dauthendey 1867 – 1918

Gedichte zum Valentinstag : Wunsch der Liebe

Wunsch der Liebe

O könnten wir doch, du und ich,
Einst in derselben Stund‘ erblassen!
O möchte doch einst dich und mich
Ein und derselbe Sarg umfassen!

Für ächter Liebe treuen Bund
Gibt es kein grösser Glück auf Erden,
Als: leben dürfen Mund an Mund,
Und Hand in Hand begraben werden!

Faust Pachler 1819 – 1891

Valentinstaggedicht : Abends

Abends

Warum duften die Levkojen soviel schöner bei der Nacht?
Warum brennen deine Lippen soviel röter bei der Nacht?
Warum ist in meinem Herzen so die Sehnsucht auferwacht,
Diese brennend roten Lippen dir zu küssen bei der Nacht?

Theodor Storm 1817 -1888

Gedichte zum Valentinstag : Worte der Liebe

Worte der Liebe

Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein,
langen und bangen in schwebender Pein,
himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt-
glücklich allein ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

Valentinstag Gedicht : Gewesenes Jahr

Gewesenes Jahr

Ich zeige dir den Mond durch einen Frühlingsbaum.

Jede Blüte, jedes Blättchen
hebt sich aus seinem Glanz.

Jede Blüte, jedes
Blättchen
schimmert.

Beide Arme
schlingst du mir um den Hals!

Arno Holz 1863 – 1929

Gedichte zum Valentinstag : Sag ichs euch, geliebte Bäume

Sag ichs euch, geliebte Bäume

Sag ichs euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wisst es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr genießen mag.

Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

Valentinstag Gedicht : ch möchte in heissem Glutverlangen

ch möchte in heissem Glutverlangen

An brennenden Lippen schauernd hangen,
In lodernde Augen seh’n –
In Augen, aus welchen die Liebe spricht,
Die sehnend auch mir im Herzen glüht –
In seligen Schauern vergeh’n!
O Liebe, Du bist das Himmelreich

Und auch die flammende Hölle zugleich –
Bist Dämon und Gott allzumal –
Bist blühendes Leben und grausiger Tod
Und nächtliches Dunkel und Morgenrot
Mit Deiner seligen Qual!

Karoline Bruch-Sinn 1853 – 1911

Valentinstag Gedicht : Lebensluft

Lebensluft

Freiheit!
Freiheit!
Nur keine Liebe,
die ich nicht will,
nur keine Vogelschlingen
mich Liebender,
nur kein Handauflegen
den leichten Flügeln
der Seele!
Denn alle Liebe
will besitzen,
und ich
will nicht
besessen sein.

Christian Morgenstern 1871 – 1914

Gedichte zum Valentinstag : War das die Liebe?

War das die Liebe?

War das die Liebe, die mich gestern streifte,
wie eines seidenen Gewandes Atem
im Dunkel, wie ein windvertragner Duft,
wie Harmonien aus der blauen Nacht,
woher, du weißt es nicht, doch stockt dein Blut
und horcht in die Geheimnisse der Dinge …
und all dein Wesen flutet zögernd aus,
du fühlst dich wie ein Strom die Welt durchrinnen
und ahnst doch noch ein Mehr – als – diese – Welt,
wie hinter feiner Schleier Wehr noch wartend,
ein Himmelreich voll Blüten, Früchten, Sonnen,
und lächelnd winkt, die dich so sehr gerührt.

Christian Morgenstern 1871 – 1914

Valentinstag Gedicht : Mein Herz steht leer

Mein Herz steht leer

Der graue Tag
Legt seine Wolken an meine Brust,
Mein Herz steht leer.
Mein Herz ist dunkel und wolkenschwer,
Ich habe so lange nicht mehr geküsst,
Ich küsse so gerne.
Lippen und Seele warten auf dich,
Du Herz der Ferne.

Max Dauthendey 1867 – 1918

Valentinstaggedicht : Neue Liebe

Neue Liebe

Herz, mein Herz, warum so fröhlich,
So voll Unruh und zerstreut,
Als käm über Berge selig
Schon die schöne Frühlingszeit?

Weil ein liebes Mädchen wieder
Herzlich an dein Herz sich drückt,
Schaust du fröhlich auf und nieder,
Erd und Himmel dich erquickt.

Und ich hab die Fenster offen,
Neu zieh in die Welt hinein
Altes Bangen, altes Hoffen!
Frühling, Frühling soll es sein!

Still kann ich hier nicht mehr bleiben,
Durch die Brust ein Singen irrt,
Doch zu licht ist’s mir zum Schreiben,
Und ich bin so froh verwirrt.

Also schlendr‘ ich durch die Gassen,
Menschen gehen her und hin,
Weiß nicht, was ich tu und lasse,
Nur, dass ich so glücklich bin.

Joseph von Eichendorff 1788 – 1857

Valentinstaggedicht : Ich habe Dir so viel zu sagen

Ich habe Dir so viel zu sagen

Ich habe Dir so viel zu sagen,
Ich glaub‘ nicht, dass mein Leben reicht,
Das Leben, das nach kurzen Tagen
Dem großen Todesschweigen weicht.

Mein Lied soll mir nie sterben gehen,
Sein Leben niemals ihm entflieht.
Wenn Herz und Atem still mir stehen,
Mein Lied noch singend vor Dir kniet.

Max Dauthendey 1867 – 1918

Gedichte zum Valentinstag : Verschwiegene Liebe

Verschwiegene Liebe

über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein –
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.

Errät‘ es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht,
Als die Wolken, die fliegen –
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.

Joseph von Eichendorff 1788 – 1857

Gedichte zum Valentinstag : Deine Küsse

Deine Küsse

Deine Küsse, deine Brüste, deine Arme
Pressen noch lüstewarm meinen Leib.
Dein Blut, dein Fleisch
Ruht noch lüstewarm an mir.
Meine Schritte schallen,
Meine Schritte fallen härter von Stein zu Stein,
Die Erde nimmt mich in ihre Mitte,
Verwundert fällt es mir ein:
Wir lagen draußen im Weltenraum,
Wir beide allein.

Max Dauthendey 1867 – 1918

Gedichte zum Valentinstag : Die Uhr zeigt heute keine Zeit

Die Uhr zeigt heute keine Zeit

Ich bin so glücklich von deinen Küssen,
Dass alle Dinge es spüren müssen.
Mein Herz in wogender Brust mir liegt,
Wie sich ein Kahn im Schilfe wiegt.
Und fällt auch Regen heut ohne Ende,
Es regnet Blumen in meine Hände.
Die Stund‘, die so durchs Zimmer geht,
Auf keiner Uhr als Ziffer steht;
Die Uhr zeigt heute keine Zeit,
Sie deutet hinaus in die Ewigkeit.

Max Dauthendey 1867 – 1918

Gedichte zum Valentinstag : Wir gingen atmend Arm in Arm

Wir gingen atmend Arm in Arm

Wir gingen atmend Arm in Arm,
am Frühlingsabend still und warm,
im Schatten grüner Schlehen
uns Veilchen zu erspähen.
Rot schien der Himmel und das Meer;
mit einmal strahlte groß und hehr
der liebe volle Mond daher.
Das Mägdlein stand und ging und stand
und drückte sprachlos mir die Hand.

Johann Heinrich Voß 1751 – 1826

Valentinstag Gedicht : Liebhaber

Liebhaber

Ich wollt‘, ich wär‘ ein Fisch,
So hurtig und frisch;
Und kämst du zu anglen,
Ich würde nicht manglen.
Ich wollt‘, ich wär‘ ein Fisch,
So hurtig und frisch.

Ich wollt‘, ich wär‘ ein Pferd,
Da wär‘ ich dir wert.
O wär‘ ich ein Wagen,
Bequem dich zu tragen.
Ich wollt‘, ich wär‘ ein Pferd,
Da wär‘ ich dir wert.

Ich wollt‘, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold;
Und tätst du was kaufen,
Käm‘ ich wieder gelaufen.
Ich wollt‘, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold.

Ich wollt‘, ich wär‘ treu,
Mein Liebchen stets neu;
Ich wollt‘ mich verheißen,
Wollt‘ nimmer verreisen.
Ich wollt‘, ich wär‘ treu,
Mein Liebchen stets neu.

Ich wollt‘, ich wär‘ alt
Und runzlig und kalt;
Tätst du mir’s versagen,
Da könnt‘ mich’s nicht plagen.
Ich wollt‘, ich wär alt
Und runzlig und kalt.

Wär‘ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich‘;
Hätt‘ was dich verdrossen,
So macht‘ ich dir Possen.
Wär‘ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich‘.

Wär‘ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav;
Hätt‘ Augen wie’s Lüchschen,
Und Listen wie’s Füchschen.
Wär‘ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav.

Was alles ich wär‘,
Das gönnt‘ ich dir sehr;
Mit fürstlichen Gaben,
Du solltest mich haben.
Was alles ich wär‘,
Das gönnt ich dir sehr.

Doch bin ich, wie ich bin,
Und nimm mich nur hin!
Willst du bessre besitzen,
So lass dir sie schnitzen.
Ich bin nun, wie ich bin;
So nimm mich nur hin!

Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

Valentinstaggedicht : Mein Glück

Mein Glück

Ich weiss es doch, und glaub‘ es kaum,
So wunderbar ist mir:
Ich geh‘ am Tag als wie im Traum
Ob all der Lust an dir.

Und doch im tiefsten Traum ist mir
So hell und sonnenklar,
Dass nur ob all der Lust an dir
Die Welt so wunderbar.

Johann Georg Fischer 1816 – 1897

Valentinstag Gedicht : Du bist mein Land

Du bist mein Land

Du bist mein Land,
ich deine Flut,
die sehnend dich ummeeret;
Du bist der Strand,
dazu mein Blut
ohn‘ Ende wiederkehret.

An dich geschmiegt,
mein Spiegel wiegt
das Licht der tausend Sterne;
und leise rollt
dein Muschelgold
in meine Meergrundferne.

Christian Morgenstern 1871 – 1914

Gedichte zum Valentinstag : Liebes-Lied

Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süsses Lied.

Rainer Maria Rilke 1875 – 1926

Gedichte zum Valentinstag : Schnauz und Miez

Schnauz und Miez

Ri-ra-rumpelstiez,
wo ist der Schnauz, Wo ist die Miez?
Der Schnauz, der liegt am Ofen
und leckt sich seine Pfoten.
Die Miez, die sitzt am Fenster
und wäscht sich ihren Spenzer.
Rumpeldipumpel, schnaufeschnauf,
da kommt die Frau die Treppe rauf.
Was bringt die Frau dem Kätzchen?
Einen Knäul, einen Knäul, mein Schätzchen,
einen Knäul aus grauem Wollenflaus,
der aussieht wie eine kleine Maus.
Was bringt die Frau dem Hündchen?
Ein Halsband, mein Kindchen,
ein Halsband von besondrer Art,
auf welchem steht: Schnauz Schnauzebart.
Ri-ra-rumpeldidaus,
und damit ist die Geschichte aus.

Christian Morgenstern 1871 – 1914

Valentinstag Gedicht : Gefunden

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub’s mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus 1).

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832

Valentinstag Gedicht : Die beiden Engel

Die beiden Engel

O kennst du, Herz, die beiden Schwesterengel,
Herabgestiegen aus dem Himmelreich:
Stillsegnend Freundschaft mit dem Lilienstengel,
Entzündend Liebe mit dem Rosenzweig?

Schwarzlockig ist die Liebe, feurig glühend,
Schön wie der Lenz, der hastig sprossen will;
Die Freundschaft blond, in sanftern Farben blühend,
Und wie die Sommernacht so mild und still;

Die Lieb‘; ein brausend Meer, wo im Gewimmel
Vieltausendfältig Wog‘ an Woge schlägt;
Freundschaft ein tiefer Bergsee, der den Himmel
Klar widerspiegelnd in den Fluten trägt.

Die Liebe bricht herein wie Wetterblitzen,
Die Freundschaft kommt wie dämmernd Mondenlicht;
Die Liebe will erwerben und besitzen,
Die Freundschaft opfert, doch sie fordert nicht.

Doch dreimal selig, dreimal hoch zu preisen
Das Herz, wo beide freundlich eingekehrt,
Und wo die Glut der Rose nicht dem leisen,
Geheimnisvollen Blühn der Lilie wehrt.

Emanuel Geibel 1815 – 1884

Valentinstaggedicht : Der schönste Anblick

Der schönste Anblick

Schön ist’s, wenn zwei Sterne
Nah sich stehn am Firmament,
Schön, wenn zweier Rosen
Röte ineinander brennt.

Doch in Wahrheit! immer
Ist’s am schönsten anzusehn:
Wie zwei, so sich lieben,
Selig beieinander stehn.

Justinus Kerner 1786 – 1862

Gedichte zum Valentinstag : Im Weinberg

Im Weinberg

Droben im Weinberg, unter dem blühenden Kirschbaum saß ich
Heut, einsam in Gedanken vertieft; es ruhte das Neue
Testament halboffen mir zwischen den Fingern im Schosse,
Klein und zierlich gebunden: (es kam vom treuesten Herzen
Ach! du ruhest nun auch, mir unvergessen im Grabe!)
Lang so saß ich und blickte nicht auf; mit einem da lässt sich
Mir ein Schmetterling nieder aufs Buch, er hebet und senket
Dunkele Flügel mit schillerndem Blau, er dreht sich und wandelt
Hin und her auf dem Rande. Was suchst du, reizender Sylphe?
Lockt die purpurne Decke dich an, der glänzende Goldschnitt?
Sahst du, getäuscht, im Büchlein die herrlichste Wunderblume?
Oder zogen geheim dich himmlische Kräfte hernieder
Des lebendigen Worts? Ich muss so glauben, denn immer
Weilest du noch, wie gebannt, und scheinst wie trunken, ich staune!
Aber von nun an bist du auf alle Tage gesegnet!
Unverletzlich dein Leib, und es altern dir nimmer die Schwingen.
Ja, wohin du künftig die zarten Füße wirst setzen
Tauet Segen von dir. Jetzt eile hinunter zum Garten,
Welchen das beste der Mädchen besucht am frühesten Morgen,
Eile zur Lilie du – alsbald wird die Knospe sich öffnen
Unter dir; dann küsse sie tief in den Busen: von Stund an
Göttlich befruchtet, atmet sie Geist und himmlisches Leben.
Wenn die Gute nun kommt, vor den hohen Stängel getreten,
Steht sie befangen, entzückt von paradiesischer Nähe,
Ahnungsvoll in den Kelch die liebliche Seele versenkend.

Eduard Mörike 1804 – 1875

Gedichte zum Valentinstag : Liebesgeständnis

Liebesgeständnis

Leise hör ich dich rufen
in jedem Flüstern und Wehn.
Auf lauter weißen Stufen,
die meine Wünsche sich schufen,
hör ich dein Zu-mir-gehn.

Jetzt weißt du von dem Gefährten,
und dass er dich liebt … das macht:
Es blühen in seinen Gärten
die lang vom Licht gekehrten
Blüten, blühn über Nacht …

Rainer Maria Rilke 1875 – 1926

Gedichte zum Valentinstag : Liebesnacht im Haine

Liebesnacht im Haine

Um uns her der Waldnacht heilig Rauschen
Und der Büsche abendlich Gebet,
Seh ich dich so lieblich bange lauschen
Wenn der West durch dürre Blätter weht.

Und ich bitte: Jinni holde, milde
Sieh ich dürste, sehne mich nach dir
Sinnend blickst du durch der Nacht Gefilde
Wende deinen süßen Blick nach mir.

Ach dann wendet Jinni voll Vertrauen
Ihres Lebens liebesüßen Blick
Mir ins wonnetrunkne Aug‘ zu schauen
Aus des Tages stillem Grab zurück.

Und es ist so traulich dann, so stille
Wenn ihr zarter Arm mich fest umschlingt
Und ein einz’ger liebevoller Wille
Unsrer Seelen Zwillingspaar durchdringt.

Nur von unsrer Herzen lautem Pochen
Von der heil’gen Küsse leisem Tausch
Von der Seufzer Lispel unterbrochen
Ist der Geisterfeier Wechselrausch.

Auf des äthers liebestillen Wogen
Kömmt Diane dann so sanft und mild
Auf dem lichten Wagen hergezogen
Bis ihn eine Wolke schlau verhüllt,

Und sie trinket dann an Latmus‘ Gipfel
Ihrer Liebe süßen Minnelohn
Ihre Küsse flüstern durch die Wipfel,
Küssend, nennst du mich Endymion.

Liest auch wohl mit züchtigem Verzagen
Meiner Blicke heimlich stille Glut
Und es sterben alle deine Klagen
Weil die Liebe dir am Herzen ruht.

Fest umschling ich dich von dir umschlungen
Stirbt in unsrem Arm die rege Zeit
Und es wechseln schon des Lichtes Dämmerungen
Starb schon Gestern wird schon wieder heut.

Wenn die lieben Sterne schon ermatten
Wechseln wir noch heimlich Seligkeit
Träumen in den tiefen dunklen Schatten
Flehend und gewährend Ewigkeit.

Fest an dich gebannt in dich verloren
Zähle ich an deines Herzens Schlag
Liebestammelnd jeden Schritt der Horen
Scheidend küsset uns der junge Tag.

Clemens Brentano 1778 – 1842

Valentinstaggedicht : Begegnung

Begegnung

Wir saßen an zwei Tischen – wo? – im All …
Was Schenke, Stadt, Land, Stern – was tut? s dazu!
Wir saßen irgendwo im Reich des Lebens …
Wir saßen an zwei Tischen, hier und dort. Und meine Seele brannte: Fremdes Mädchen,
wenn ich in deine Augen dichten dürfte –
wenn dieser königliche Mund mich lohnte –
und diese königliche Hand mich krönte –
Und deine Seele brannte: Fremder Jüngling,
wer bist du, dass du mich so tief erregtest –
dass ich die Knie dir umfassen möchte –
und sagen nichts als: Liebster, Liebster, Liebster -!
Und unsre Seelen schlugen fast zusammen.
Doch jeder blieb an seinem starren Tisch –
und stand zuletzt mit denen um ihn auf –
und ging hinaus-und sahn uns nimmermehr.

Christian Morgenstern 1871 – 1914

Valentinstaggedicht : Von freier Höhe

Von freier Höhe

Ich weiß.

Oft
wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir,
oder ein Härchen, ein bloßes Härchen,
das dir der Wind ins Genick geweht,
und all mein Blut
gährte gleich auf,
und all mein Herz
schlug nach dir.

Dich haben, dich haben.
dich endlich mal haben,
ganz und nackt, ganz und nackt!

Und heut,
zum ersten Mal,
unten am See, glitzernd im Mittag,
sah ich dich so.

Ganz und nackt! Ganz und nackt!

Und mein Herz
stand still.

Vor Glück, vor Glück.

Und es war keine Welt mehr,
nichts, nichts, nichts,

es war nur noch Sonne, nur noch Sonne ?

so schön warst du!

Arno Holz 1863 – 1929

Gedichte zum Valentinstag : Hier im Wald mit dir zu liegen

Hier im Wald mit dir zu liegen

Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet,
in das Flüstern, in das Rauschen
leise liebe Worte mischend,
öfter aber noch dem Schweigen
lange Küsse zugesellend,
unerschöpflich – unersättlich,
hingegebne, hingenommne,
ineinander aufgelöste,
zeitvergessne, weltvergessne.
Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet.

Christian Morgenstern 1871 – 1914



fleurop

Valentinstagsgedichte

Ebenso lange Tradition wie der Valentinstag selbst haben Gedichte, die der oder dem Liebsten als besonderes Zeichen der Zuneigung verfasst werden. Diese besondere Hingabe zueinander hat selbst vor vielen Jahrhunderten schon die Kreativität der Menschen beflügelt. Zu viele Schmetterlinge im Bauch sorgen halt dafür, dass man schon einmal den Boden unter den Füßen verlieren kann. Auch viele der großen deutschsprachigen Dichter wie Rainer Maria Rilke, Johann Wolfgang von Goethe oder Christian Morgenstern waren vor der mystischen Kraft der Sehnsucht nicht gefeit und widmeten ihr einige ihrer Werke.

Bei Goethe ist dies besonders bezeichnend, da er über seine große und bekannte Karriere als Dichter hinaus auch ein kühl kalkulierender Naturwissenschaftler war und nichtsdestotrotz um die Sehnsucht und das Glück wusste, die mit der dem gemeinsamen Beisammenseins zweier Liebender und der diesem innewohnenden Romantik verbunden waren. Dabei waren alle diese Künstler große Meister darin, mit wenigen Worten das auszudrücken, was viele Menschen auf der ganzen Welt auch heute noch fühlen. Die richtigen Worte haben für die meisten Menschen eine tiefe emotionale Bedeutung. So kommt es, dass Gedichte uns in den schönen, aber auch in den weniger schönen Stunden stets begleiten. Der Valentinstag verdient es, als Tag der Liebenden und als besonderer Brauch unserer Kultur mit stimmungsvollen Versen zu etwas Besonderem gemacht zu werden. Lassen Sie sich einfach von den nun folgenden Gedichten bezaubern und inspirieren, um sich selbst davon zu überzeugen.

gedichte-am-valentinstag

Für Freund oder Freundin, aber auch für den Gatten oder die Gattin hat ein schönes Gedicht zum Valentinstag eine ganz besondere Bedeutung. Ob man nur eine individuell gestaltete und romantische Karte verschickt oder auch noch einen liebevoll zusammengestellten Blumenstrauß beilegt – Valentinstagsgedichte sorgen bei allen Geschenken zum Valentinstag für ein angenehmes Kribbeln im Bauch. „Du bist wie eine Blume“, schrieb Heinrich Heine – mit diesen Worten bekommen besonders schöne und duftende Blumen für die beschenkte Dame gleich eine viel tiefere Bedeutung. Aber auch für Paare, die es einfacher mögen, ist eines der Valentinstagsgedichte die ideale Art, seine Zuneigung zu zeigen: Auch ohne schnöden Mammon können diese kleinen Kunstwerke der Literatur in einer SMS verschickt der bei einer sonstigen Gelegenheit als Spruch angebracht werden. Vielleicht lohnt es sich auch, ein Gedicht auswendig zu lernen und es bei einem romantischen Abendessen mit Kniefall aufzusagen, wenn Sie ein Lächeln auf das hübsche Gesicht ihrer Begleiterin zaubern möchten. Valentinstaggedichte lassen sich für vielerlei angenehme Überraschungen und kreative Einfälle benutzen. Der Ideenvielfalt sind dabei keine Grenzen gesetzt – angeblich ließen manche Eheleute sich sogar die schönsten Zeilen ihres ersten Valentinsgedichtes in die Eheringe prägen. Auch wenn dies wahrscheinlich nicht für jeden das Richtige ist: Sicherlich wird auch Ihnen etwas einfallen, wie Sie mit einem unserer Gedichte Ihrem Schatz eine Freude machen können.